Die Sache mit der Baumschule – wie alles begann

Am einfachsten ist es wohl wenn, ich euch den Brief lesen lasse, den ich am 9.11.2016 per Mail an die Stadtverordneten der Stadt Pritzwalk geschickt habe. Eigentlich wollte ich alle mit meinem Schreiben beglücken. Aber irgendwie findet man keine Mail-Adressen unserer Abgeordneten auf der Internetseite der Stadt. Ich frage mich schon, wie ich denn meine gewählten Vertreter im Bedarfsfall eigentlich erreichen soll.

Aber zurück zum Thema. Hier mein Text.

Wie ich erfahren habe, soll demnächst über den Verkauf der ehemaligen Fläche der Baumschule Hainholz in Pritzwalk durch die Stadtverordneten abgestimmt werden. Ich möchte Sie bitten bei Ihrer Entscheidung folgendes zu bedenken.

Eine einmal verkaufte Fläche ist für die Stadt Pritzwalk unwiederbringlich verloren. Damit steht auch den Bewohnern der Stadt ein Gelände mit bedeutendem Erholungswert nicht mehr zur Verfügung.

Durch die jahrzehntelange extensive Nutzung der ehemaligen Baumschulflächen konnte sich dort eine einmalige Flora und Fauna entwickeln, die ihresgleichen sucht. Die vormals als Schattenspender für die Jungpflanzen im Baumschulbetrieb angepflanzten Quartiere von verschiedenen Gehölzen sind inzwischen zu Refugien geworden, die unzählige Vögel, Insekten und andere Tiere beherbergen. Damit entstanden ökologische Rückzugsorte der besonderen Art.

Laut unbestimmter Informationen soll auf diesem Gelände eine Erdbeerplantage errichtet werden. Damit würde eine einmalige Naturlandschaft vernichtet werden, die in der Gegend ihresgleichen sucht. Außerdem befindet sich das Gebiet im Trinkwassereinzugsgebiet. Der hohe Düngebedarf einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung, wie es bei einer Erdbeerplantage nötig ist, hätte sicher auch Einfluss auf die Trinkwasserqualität.

Der Erholungswert des Areals würde, über das Jahr gesehen, gegen null sinken und das Hainholz als Naherholungsgebiet wäre um einige Hektar ärmer. Viele Spaziergänger nutzen die jetzt noch teilweise frei zugänglichen Flächen zu Erholung und Entspannung. Das lässt sich sicher nicht mit einigen Wochen Erdebeerpflücken und einer eventuellen Festveranstaltung aufwiegen.

Ich habe vor einigen Wochen einmal einen Antrag die Stadt Pritzwalk gestellt, weil ich einen Teil der Flächen pachten wollte. Das geschah nicht ganz uneigennützig. Wie sicher bekannt ist, betreibe ich eine kleine Weihnachtsbaumplantage. Als mich die Gerüchte erreichten, dass sich der Verein NDL Streckenthin aus dem besagten Gelände zurückziehen würde, hatte ich Sorge, dass ich ein anderer Weihnachtsbaum-Produzent vor meine Nase setzen könne. (Ich habe übrigens mehr als 4 Wochen auf eine Antwort warten müssen und bin erst in dieser Woche zu einem Gespräch eingeladen worden)

Inzwischen scheint die Sachlage aber ganz anders. Ich brauche wohl keine Konkurrenz mehr zu befürchten. Stattdessen sieht es so, aus als würde das vorhandene relativ naturbelassene Kleinod einer reizlosen Monokultur weichen müssen.

Damit entsteht der Umwelt, dem Erholungsort Hainholz und auch der Stadt Pritzwalk wahrscheinlich ein unwiederbringlicher Schaden.

Um diesen abzuwenden, halte ich mein Angebot die gegenwärtige Fläche zu pachten aufrecht. Sie könnte auf verschiedene Weise genutzt werden. Einerseits würde ich versuchen eine Übereinkunft mit dem derzeitigen Nutzer zu treffen, damit dieser Verein weiter seine Aufgaben ausführen kann. Anderseits könnte ich einige der bestehenden Freiflächen nutzen, um Schafe für die Landschaftpflege zu züchten. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit dem SV Drehscheibe angedacht, um Präventionskurse für die Gesundheitsförderung auch im Freien abhalten zu können.  Weitere Kooperationen mit anderen Ideengebern sind selbstverständlich willkommen.

Möglichkeiten, die sich dadurch für die Stadt und ihre Bewohner ergeben sind vielfältig und werden gerade in einem Ideenpool zusammengetragen.

Bitte sorgen Sie dafür, dass das einzigartige Refugium der ehemaligen Baumschule als ökologische Nische erhalten wird und nicht einer Monokultur zum Opfer fällt.

Mit freundlichen Grüßen

Cornelia Wriedt

Draufsicht auf das Gelände – die dunklen Streifen der Schattenquartiere sind gut erkennbar. Bildquelle: Google Maps

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Gelb umrahmt, das derzeitig genutzte Gelände. Grau ist öffentlich zugänglich. Bildquelle: Google Maps

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Die Lage des Gebietes zur Stadt. Bildquelle: Google Maps

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Hier das Schreiben als PDF

 

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