Herzsport und Wald – ein Vortrag

Anlässlich der Herzsportwoche der Deutschen Herzstiftung vom 10. bis 17. November.
(Ich bin Herzsporttrainerin beim SV Drehscheibe Pritzwalk.

Wer mich kennt, der befürchtet, dass es jetzt entweder um Qigong, Kräuter oder den Wald geht.

Das ist vollkommen richtig getippt. Es geht um Letzteren. Speziell um den Wald und seinen  Einfluss auf die Gesundheit. Einmal im Allgemeinen und auch im Speziellen bei Herzpatienten.

Natürlich bin ich emotional befangen. Als Tochter eines Försters wurde mir der Wald sozusagen in die Wiege gelegt. Zudem wohne ich noch im Wald und habe außerdem gerade eine Hausarbeit über Qigong im Wald geschrieben.

Diese Hausarbeit, die ich im Rahmen meiner Ausbildung als Qigong-Lehrer angefertigt habe, hat mich zu umfangreichen Recherchen inspiriert. Die will ich hier jetzt nicht alle ausbreiten. Trotzdem möchte ich euch an einigen Gedanken teilhaben lassen.

Warum übt der Wald eigentlich auf viele von uns so eine Faszination aus? (ich bin ja zu Glück nicht allein damit.) Wahrscheinlich liegt das in unserer Kultur begründet. Unsere keltischen und germanischen Vorfahren hatten eine besondere Beziehung zu ihm. Tacitus, der alte Römer (Jener aus dem Lied „Es saßen die alten Germanen..“) schrieb zu seiner Zeit: „Der Tempel der Germanen war der Wald, der heilige Hain.“

Das verlor sich zwar mit der Christianisierung, aber es gab immer Menschen, die dem Wald eine große Bedeutung zumaßen. Die heutzutage oft zitierte Hildegard von Bingen meinte:“ Die ganze Natur stehe dem Menschen zu Diensten. Zum Heil seines Leibes und seiner Seele ist sie bestimmt.“

Beginnen wir einmal mit Teil 2 dieses Ausspruchs. Das Heil der Seele.
Wer ernsthaft krank wird, z.B. einen Herzinfarkt erleidet, der kann die Welt oft nicht mehr verstehen. Plötzlich wird man herausgerissen aus dem gewohnten Alltag. Fragen tauchen auf: Warum ich? Warum passiert das mir? Nicht wenige, die beim Herzsport auftauchen haben auf ihrer Verschreibung neben den anderen  pathologischen  Angaben auch die Diagnose Depression zu stehen.

Die Wirkung eines längeren Waldspazierganges ist unumstritten. Egal ob gesund oder krank. Die frische Luft und das angenehme Grün machen „Herz und Seele weit“. Nun könnte man damit Argumentieren, dass das Emotionen sind, die sich nicht „messen lassen“ Sicher gibt es auch noch den einen oder anderen, der sich im Wald nicht wohlfühlt, weil er keine (so enge) Beziehung dazu hat. Da spielen die Ängste vor Mücken, Zecken und inzwischen sogar Wölfen eine Rolle. Ich will diese Bedenken nicht als gegenstandslos abtun. (Allerdings sollte ihnen nicht zu viel Raum eingeräumt werden.)

Wie dem auch sei, emotionale Argumente zählen in unserer rationalen Welt nicht viel. Dr. med. Bernd Rieger (nicht zu verwechseln mit unserem verstorbenen Dr. Rieger aus Pritzwalk!) schreibt in seinem Buch „Herzgesundheit“  folgendes: „Herzschwäche bewirkt einen Sauerstoff-Mangel im ganzen Körper.“ Nun frage ich: Wo ist der Sauerstoff-Gehalt in der Luft wohl am Größten? Wir alle erinnern uns an die endlosen Biologie-Stunden in denen man uns mit dem Querschnitt des Blattes gequält hat. Wenn wir davon auch fast alles vergessen haben, so ist doch eines „hängen geblieben“.  Blätter produzieren Sauerstoff. Und wo sind die meisten Blätter. An den Bäumen im Wald.

In den letzten Jahren hat sich eine Reihe von Autoren mit dem Thema Gesundheit und Wald beschäftigt. Dazu gehören Wolf-Dieter Storl, Erwin Thoma, Peter Wohlleben und Clemens G. Arvay. Mal haben sie sich diesem Zusammenhang   emotional und mal wissenschaftlich beschrieben.

Der Österreicher Arvay hat in seinem Buch „Der Heilungscode aus der Natur“ ein ganzes Kapitel mit der Überschrift „Herzschutz aus der Natur“ verfasst. Es geht dabei um DEHA. Das ist die Abkürzung für De-hydro-epi-andro-steron. Dieses Hormon hat u.a. eine entscheidende Wirkung auf die Blutgefäße und das Herz.

Ich ziehe an dieser Stelle eine Zwischenbilanz: Die Herzschutzsubstanz DEHA aus der Nebennierenrinde wird bei Spaziergängen durch den Wald vermehrt produziert, nicht aber bei Spaziergängen in der Stadt. Das Hormon wirkt jenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegen, die besonders in Industriegesellschaften auftreten und als „Zivilisationskrankheiten“ bezeichnet werden. Somit ergeben sich wieder einmal die Fragen, die ich in einem früheren Kapitel bereits gestellt habe: Kann es sein, dass nicht nur ungesunde industrielle Nahrung, mangelnde Bewegung sowie schädliche Umwelteinflüsse eine Rolle bei der Entstehung dieser Krankheiten spielen? Wäre es möglich, dass auch die Naturentfremdung selbst dazu beiträgt, weil wir uns dadurch von Substanzen und Reizen aus der Natur entfernen, die uns gesund erhalten? Wir werden durch das moderne  Leben aus dem Funktionskreis mit der Natur herausgerissen. Es ist naheliegend, dass die Trennung von der Natur eine zentrale Rolle spielt, wenn es um die Entstehung der genannten Erkrankungen geht.

Denken Sie an die Wirkung der Baum-terpene im Wald auf unser Immunsystem. Ich habe an früherer Stelle dieses Buches einen Perspektivenwechsel vorgeschlagen: Wir haben im Wald nicht mehr von den natürlichen Killerzellen und den Anti-Krebs-Proteinen im Blut als „normalerweise“, sondern wir haben im Alltagsleben des Industriezeitalters weniger von diesen gesundheitsschützenden Substanzen im Blut als unter normalen Bedingungen. Denselben Perspektivenwechsel sollten wir bei DHEA ins Auge fassen. Das Stadtleben und die modernen Lebenswelten führen dazu, dass unser Körper weniger Herzschutzsubstanzen produziert und diese im Laufe des Lebens schneller abnehmen, als es dem Homo sapiens in einem natürlichen Lebensraum entspräche. (Quelle: Clemens G. Arvay, Der Heilungscode der Natur)

Weiterhin führt der Autor auch Betrachtungen zum Sympathikus, dem Nerv der Aktivität an. Er leidet bei den meisten Menschen in einer modernen Gesellschaft unter Reizüberflutung. „Verengte Blutgefäße, beschleunigter Herzschlag und erhöhter Blutdruck treten auf, wenn der Nerv der Erregung aktiv ist. Dieselben Phänomene, die dieser auslöst, führen auch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, koronarer Herzkrankheit und Herzinfarkt.“ (Quelle: Clemens G. Arvay, Der Heilungscode der Natur)

Als Gegenspieler dazu tritt der Parasympathikus auf. Stärkt man ihn, dann vermindert sich die Aktivität des Sympathikus. „Wissenschaftler an der Universität Chiba in Japan und an der Chungnam-National-Universität in Koreawiesen in Feldstudien nach, dass der Aufenthalt in der Natur den Nerv der Ruhe deutlich messbar in Gang setzt.“ (Quelle: Clemens G. Arvay, Der Heilungscode der Natur)

Natürlich ist der Wald kein Allheilmittel. Das spricht auch der Autor Arvay deutlich aus. Ich will daher der modernen Medizin keineswegs die Daseinsberechtigung absprechen. Viele Herzpatienten hätte ohne einen erfolgreichen Eingriff ihre Krankheit nicht überlebt. Das bleibt unbestritten.

Ein Aufenthalt in der Natur kann aber die modernen Behandlungsmethoden unterstützen und Heilprozesse beschleunigen.

Damit können unter anderem solche Faktoren beeinflusst werden wie:

  • Senkung des Blutdrucks (am Beispiel der eigenen Herzsportgruppe erlebt!)
  • Senkung des Blutzuckerspiegels bei Diabetes Typ II
  • Stärkung der Abwehrzellen gegen Krebs und Infektionen (wissenschaftliche Untersuchungen untermauern Studien, dass die Anti-Krebs-Proteine durch den Aufenthalt im Wald zunehmen siehe Clemens G. Arvay, Der Heilungscode der Natur)
  • Minderung von Verdauungsbeschwerden und Schlafstörungen
  • Zurückfahren der Stresshormone
  • Förderung der Kreativität (mir kommen die besten Ideen beim Waldspaziergang mit Hund)
  • Linderung psychischer Beschwerden wie:
    • Angst- und Panikstörungen
    • Depression
    • Burnout und chronische Stressbewältigung
    • Starke Erschöpfungszustände

Weitere Beispiele und fundierte Nachweise findet man in den Büchern von Clemens G. Arvay „Der Heilungscode der Natur“ und „Der Biophilia-Effekt“.

Wer es etwas emotionaler mag, der liest bei Peter Wohlleben im Buch „Das geheime Leben der Bäume“ nach. Ich für meinen Teil bin gefühlsmäßig genug unterwegs, wenn es um den Wald geht. Daher bevorzuge ich zur Argumentation den Österreicher Arvay.

Für uns, die wir uns mit dem Herzsport beschäftigen, stellt sich nun die Frage. Was bringen uns diese Erkenntnisse? Wie können wir aktiv zur Gesunderhaltung oder gar zur Verbesserung unserer Teilnehmer beitragen?

Ein wichtiger Passus ist und bleibt der Sport in der Herzgruppe. Bewegung, Aktivierung und gemeinsamer Spaß sind ein Pfund, mit dem wir unbedingt weiter wuchern müssen.

Wenn wir den Sport nun aber mit dem Aufenthalt im Wald kombinieren könnten? So würden wir einen Synergie-Effekt erreichen. Das bedeutet, grob gesagt, dass das Ganze mehr als nur die einfach Summe seiner Teile ist.

Meine Vorstellung ist es, das wir die Möglichkeit erwägen und schaffen, unsere Aktivitäten im Sommer (bei entsprechendem Wetter) in den Wald zu verlagern. Immerhin hätten wir einen kostenlosen Mitarbeiter für diese Idee garantiert an unserer Seite:

Doktor Wald

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle und auch alt,
wenn mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Dr. Wald.

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
egal ob er aus Kummer oder Kognak ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pillen,
doch um so mehr von Luft und Sonnenschein.
Und kaum umfängt mich seine duft`ge Stille,
raunt er mir zu : “ Nun atme mal tief ein !“

Ist seine Praxis auch sehr überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund,
und Kreislaufschwache, die noch heute schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.

Er bringt uns immer wieder auf die Beine,
und unsere Seelen stets ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine –
bloß Hausbesuche macht er leider nicht.

Förster Helmut Dagenbach

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Die Sache mit der Baumschule – wie alles begann

Am einfachsten ist es wohl wenn, ich euch den Brief lesen lasse, den ich am 9.11.2016 per Mail an die Stadtverordneten der Stadt Pritzwalk geschickt habe. Eigentlich wollte ich alle mit meinem Schreiben beglücken. Aber irgendwie findet man keine Mail-Adressen unserer Abgeordneten auf der Internetseite der Stadt. Ich frage mich schon, wie ich denn meine gewählten Vertreter im Bedarfsfall eigentlich erreichen soll.

Aber zurück zum Thema. Hier mein Text.

Wie ich erfahren habe, soll demnächst über den Verkauf der ehemaligen Fläche der Baumschule Hainholz in Pritzwalk durch die Stadtverordneten abgestimmt werden. Ich möchte Sie bitten bei Ihrer Entscheidung folgendes zu bedenken.

Eine einmal verkaufte Fläche ist für die Stadt Pritzwalk unwiederbringlich verloren. Damit steht auch den Bewohnern der Stadt ein Gelände mit bedeutendem Erholungswert nicht mehr zur Verfügung.

Durch die jahrzehntelange extensive Nutzung der ehemaligen Baumschulflächen konnte sich dort eine einmalige Flora und Fauna entwickeln, die ihresgleichen sucht. Die vormals als Schattenspender für die Jungpflanzen im Baumschulbetrieb angepflanzten Quartiere von verschiedenen Gehölzen sind inzwischen zu Refugien geworden, die unzählige Vögel, Insekten und andere Tiere beherbergen. Damit entstanden ökologische Rückzugsorte der besonderen Art.

Laut unbestimmter Informationen soll auf diesem Gelände eine Erdbeerplantage errichtet werden. Damit würde eine einmalige Naturlandschaft vernichtet werden, die in der Gegend ihresgleichen sucht. Außerdem befindet sich das Gebiet im Trinkwassereinzugsgebiet. Der hohe Düngebedarf einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung, wie es bei einer Erdbeerplantage nötig ist, hätte sicher auch Einfluss auf die Trinkwasserqualität.

Der Erholungswert des Areals würde, über das Jahr gesehen, gegen null sinken und das Hainholz als Naherholungsgebiet wäre um einige Hektar ärmer. Viele Spaziergänger nutzen die jetzt noch teilweise frei zugänglichen Flächen zu Erholung und Entspannung. Das lässt sich sicher nicht mit einigen Wochen Erdebeerpflücken und einer eventuellen Festveranstaltung aufwiegen.

Ich habe vor einigen Wochen einmal einen Antrag die Stadt Pritzwalk gestellt, weil ich einen Teil der Flächen pachten wollte. Das geschah nicht ganz uneigennützig. Wie sicher bekannt ist, betreibe ich eine kleine Weihnachtsbaumplantage. Als mich die Gerüchte erreichten, dass sich der Verein NDL Streckenthin aus dem besagten Gelände zurückziehen würde, hatte ich Sorge, dass ich ein anderer Weihnachtsbaum-Produzent vor meine Nase setzen könne. (Ich habe übrigens mehr als 4 Wochen auf eine Antwort warten müssen und bin erst in dieser Woche zu einem Gespräch eingeladen worden)

Inzwischen scheint die Sachlage aber ganz anders. Ich brauche wohl keine Konkurrenz mehr zu befürchten. Stattdessen sieht es so, aus als würde das vorhandene relativ naturbelassene Kleinod einer reizlosen Monokultur weichen müssen.

Damit entsteht der Umwelt, dem Erholungsort Hainholz und auch der Stadt Pritzwalk wahrscheinlich ein unwiederbringlicher Schaden.

Um diesen abzuwenden, halte ich mein Angebot die gegenwärtige Fläche zu pachten aufrecht. Sie könnte auf verschiedene Weise genutzt werden. Einerseits würde ich versuchen eine Übereinkunft mit dem derzeitigen Nutzer zu treffen, damit dieser Verein weiter seine Aufgaben ausführen kann. Anderseits könnte ich einige der bestehenden Freiflächen nutzen, um Schafe für die Landschaftpflege zu züchten. Zudem ist eine Zusammenarbeit mit dem SV Drehscheibe angedacht, um Präventionskurse für die Gesundheitsförderung auch im Freien abhalten zu können.  Weitere Kooperationen mit anderen Ideengebern sind selbstverständlich willkommen.

Möglichkeiten, die sich dadurch für die Stadt und ihre Bewohner ergeben sind vielfältig und werden gerade in einem Ideenpool zusammengetragen.

Bitte sorgen Sie dafür, dass das einzigartige Refugium der ehemaligen Baumschule als ökologische Nische erhalten wird und nicht einer Monokultur zum Opfer fällt.

Mit freundlichen Grüßen

Cornelia Wriedt

Draufsicht auf das Gelände – die dunklen Streifen der Schattenquartiere sind gut erkennbar. Bildquelle: Google Maps

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Gelb umrahmt, das derzeitig genutzte Gelände. Grau ist öffentlich zugänglich. Bildquelle: Google Maps

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Die Lage des Gebietes zur Stadt. Bildquelle: Google Maps

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Hier das Schreiben als PDF

 

Tag 10 – was auch immer

Wahrscheinlich hast du dich gewundert. Das ganze Projekt heißt 10-Tage-Natur-Challenge und die Aufgaben bestanden darin etwas zu essen, zu riechen, zu ertasten und dergleichen. Eventuell hast du erwartet, dass es sich hier um „durch den Schlamm waten“, „auf Bäume klettern“ und vielleicht auch um „Käfer essen“ geht. Natürlich sind das alles Sachen, die unmittelbar mit der Natur zusammenhängen. Jedoch bin ich kein Survival-Trainer, und obwohl ich das Thema spannend finde, war das nicht mein Anliegen.

Mein Blog trägt den Titel „Komm nach draußen“. Das ist selbstverständlich eine Aufforderung sich in die Natur zu begeben. Aber ich will damit auch noch etwas anderes ausdrücken.

„Komm nach draußen“ bedeutet auch, aus dir herauszukommen.

Wie ich das meine?

Unser tägliches Einerlei hält uns oft wie in einem Kokon gefangen. Wir haben tausend Sachen zu erledigen, unzählige Informationen stürmen auf uns ein und unsere Zeit reicht fast nie aus, um Dinge zu tun, die nichts mit dem Alltag zu tun haben.

Da bleiben das RIECHEN (der sanften Düfte), HÖREN (der leisen Töne), SEHEN (der kleinen Dinge), SCHMECKEN (der einzelnen Aromen) und das FÜHLEN (der Unterschiede) oft auf der Strecke.

Darum habe ich dir diese Aufgaben gestellt. Du solltest „heraus“ aus dir und deinem Tagesgeschäft kommen. Nur so bist du in der Lage, die Natur im Inneren und Äußeren zu ausmachen.

Dafür gibt es jetzt eine große Abschlussübung.

Gehe oder fahre am Wochenende hinaus in den Wald. (Notfalls tut es ein Park auch – aber Wald wäre einfach schöner!) Nimm dir Zeit – mindestens ein bis zwei Stunden.

Und nun versuche, alle Aufgaben der Challenge möglichst noch einmal nachzuvollziehen. Mische sie untereinander. Halte dich nicht an meine Vorgaben. Verändere sie. Lass dich von ihnen inspirieren. Oder halte dich daran … wie auch immer.

  • Laufe barfuß. Fühle die Erde. Sieh dir den Boden genauer an. Schau, was es zu entdecken gibt.
  • Suche nach einem Bach, einem See, einer Pfütze. Werfe etwas hinein, lass etwas schwimmen. Rieche das Wasser. Tauche deine Hände hinein. Spüre es.
  • Wende dein Gesicht der Sonne zu (Mache bitte kein Feuer im Wald, wir begnügen uns mit dem Himmelsfeuer.) Fühle, welche unterschiedlichen Empfindungen ihre Strahlen auf der nackten Haut und dem von der Kleidung bedeckten Körper hinterlassen.
  • Atme tief ein. Fülle deine Lungen mit frischer Luft. Rieche sie. Schmecke sie auf der Zunge.
  • Tauche deine Nase in Blumen und die Blüten von Sträuchern, die am Wegesrand stehen.
  • Schließe die Augen bei diesen Versuchen.
  • Wenn du dich traust, dann berühre eine Brennnessel.
  • Geh etwas abseits vom Wege und beiße in das Blatt eines Löwenzahns (bitter!) oder eines Spitzwegerichs. Lutsche die Blüte einer Taubnessel. Koste Vogelmiere. (Vorausgesetzt du kennst alle diese Pflanzen)
  • Wenn du nicht hineinbeißen magst, dann zerreibe die Blätter zwischen den Fingern. Betrachte des Saft. Rieche daran.
  • Sieh dir einen Baum genau an. Seine Blätter, seine Rinde. Streichle ihn. Umarme ihn. Leg deine Stirn an seinen Stamm, dann deine Wange.
  • Mache ähnliches mit einem Stein.
  • Probiere eigene Sachen aus, bei denen du mindesten zwei oder drei deiner Sinne benutzen musst. Was auch immer …

Sei eins mit allem. Sei glücklich.

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Tag 9 – Sehen

Das wird heute ein ganz kurzer Beitrag, mit einer (vielleicht) längeren Aufgabe.

Wir, die wir unsere Augen benutzen, können niemals ermessen, wie es ist, ohne Augenlicht zu sein.

Denkt einmal drüber nach, was wir alles nicht so machen könnten, wie wir es gewohnt sind:

Lesen, Fernsehen, am Computer sitzen, einfach so spazieren gehen, Kinovorstellungen besuchen und, und und…

Wir könnten nicht mehr in der Mimik unseres Gegenübres lesen. Wir würden schöne Dinge nicht erkennen. Landschaften, Gemälde, Supermodels …

Wie flirtet man, wenn man nichts sehen kann?

Natürlich kennen wird den Spruch: Die Augen sind der Spiegel der Seele. Was aber …

Natürlich lautet die heutige Aufgabe „sich die Augen zu verbinden“. Stelle dir einen Wecker oder Timer auf eine halbe Stunde ein. Das kann ganz schön lang werden. Während dieser Zeit versuchst du dich, ohne dass du SEHEN kannst, durch dein Leben zu bewegen. (Schlafen zählt nicht!)

Sei vorsichtig!

Neuruppin – Tempelgarten: Ein Plan der Anlage für Leute, die nicht SEHEN können.

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Tag 8 – Riechen

Auch heute bleibe ich bei meinem gestrigen Motto, dass ich nicht immer alles selber machen muss.

Es gibt schon eine tolle Zusammenfassung zum Thema RIECHEN

Bedeutungen:

  •     [1] transitiv: den Geruch von etwas mit der Nase wahrnehmen
  •     [2] intransitiv: Duftstoffe in die Umgebungsluft abgeben
  •     [3] intransitiv: unangenehmen Geruch verbreiten

Herkunft:

Das mittelhochdeutsche riechen und das althochdeutsche rioh(h)an lassen sich von einem gemeingermanischen starken Verb *reuk-a- mit der Bedeutung „(rauchen, dampfen)“ ableiten. Die Bedeutung [2] „(einen Geruch verbreiten)“ ist also die ältere. Die Lesart der aktiven Sinneswahrnehmung ist im Deutschen erst seit dem Mittelhochdeutschen belegt. Verwandt mit: reek → en(altenglisch re<o>can, Prät.: reac, Partizip II: gereocen; aber die Konjugation wurde geweicht im 11. Jahrhundert), niederländisch rieken, verwandt mit *raukiz (Siehe auch Rauch), im etwa 9. Jahrhundert belegt.[1] [2]

mittelhochdeutsch riechen, althochdeutsch riohhan, ursprünglich = rauchen, dunsten [3]

Synonyme:

  • [1] einen Geruch wahrnehmen, schnuppern, schnüffeln,
  • Jägersprache: wittern
  • [2] einen Geruch ausströmen/verbreiten, einen Wohlgeruch ausströmen
  • modern: duften (modern kommt hier von MODE, nicht von verfaulen, so wie ich es erst interpretiert und mich gewundert habe)
  • [3] abwertend: die Luft verpesten, stinken, von üblem Geruch sein, schlecht riechen

Unterbegriffe:

anriechen, beriechen, erriechen, gerochen, Geruch, hereinriechen, hineinriechen, reinriechen

Beispiele:

  •  [1] Mit meinem Schnupfen rieche ich überhaupt nichts.
  •  [1] „Da wird dann an jeder einzelnen geschnüffelt und gerochen – und auch wenn sonst nichts gefunden wird, eine Palette Teelichte und das eine oder andere Gebinde Duftkerzen wird garantiert mitgenommen.“[4]
  •  [1] Verlass dich drauf, das riecht quasi nach einer Tasse Kaffe, wenn sie wieder rein kommt, wird sie uns fragen, ob wir eine wollen, warte nur ab!
  •  [2] Sie roch viel zu stark nach Parfüm.
  •  [3] Der Fisch ist nicht mehr frisch. Er riecht schon.
  •  [3] Hier riecht es schlecht.

Redewendungen:

  •  [1] jemanden nicht riechen können, etwas nicht riechen können – jemanden, etwas nicht mögen
  •  Lunte riechen

Charakteristische Wortkombinationen:

  • [1] daran riechen
  • nach Verrat riechen, nach einer Belohnung riechen, das riecht nach einer Tasse Kaffee
  • [2] ekelhaft, frisch, gut, komisch, modrig, muffig, scharf, süßlich, unangenehm riechen
  • [2] nach Alkohol, Ausdünstungen, Braten, Parfüm, Rauch, Schweiß, Speck riechen

Quelle: https://de.wiktionary.org/wiki/riechen

Dann wollen wir mal „unsere Nase in etwas stecken“!

Stadt- und Landbewohner haben heute ebenfalls gleiche Bedingungen.

Teil 1.

Sucht euch drei verschiedene Dinge, von denen ihr unterschiedliche Gerüche erwartet. Das können Blumen, Lebensmittel, Kosmetika oder „was auch immer“ sein.

  • Was riecht ihr?
  •  Ist es angenehm oder unangenehm?
  •  Würdet ihr es auch mit geschlossenen Augen erkennen?
  •  Verknüpft  ihr eine bestimmte Erinnerung mit diesem Geruch?

Bei meinen Urgroßeltern lag neben dem Waschbecken immer ein Stück Rosenseife. Das roch ziemlich stark. Im Laufe der Jahre hatte ich diesen Duft fast vergessen. Bis ich vor einiger Zeit auf der Toilette einer Gaststätte genau diesen Geruch in der Nase hatte. Ich wusste sofort wieder, wo ich den „hinstecken sollte.“

Teil 2

Schneidet euch unterschiedliches Obst, verschiedene Brotsorten oder „was auch immer“ in gleich große Teile. Es reichen 3 Sorten mit jeweils einen Stück. Dort steckt ihr jeweils eine Kuchengabel oder einen Happenspieß hinein. Es geht darum, dass ihr nicht ertasten könnt, was ihr euch gleich in den Mund stecken sollt. Dann schließt ihr die Augen und haltet auch außerdem noch die Nase zu.

Esst jetzt eure vorbereiteten Probestückchen. Könnt ihr sie ohne vorhandenen Geruchssinn unterscheiden?

Macht die Gegenprobe mit freier Nase und geschlossenen Augen.

Teil 3

Was ist euer Lieblingsduft?

Welcher Geruch bereitet euch Übelkeit?

Wen aus eurer Bekanntschaft könnt ihr „nicht riechen“? Habt ihr eine Ahnung woran das liegen könnte?

 

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